Metropolis 4.0

Metropolis 4.0

Like This Video 6 Susanne
Added by 5. Juli 2015

Intelligente Maschinen drängen in die Arbeitswelt

 

Intelligente Maschinen machen dem Menschen immer höherwertigere Arbeit streitig: in der integrierten Produktion steuern sie die Herstellung mit Software-Agenten, sie analysieren den globalen Finanzmarkt, kaufen Rohstoffe und lassen Automobile selbständig fahren. Durch die auf die globale Arbeitswelt zukommenden Veränderungen ist die Politik gefordert, Konzepte für die Einkommensverteilung von morgen zu erarbeiten.

Link-Empfehlungen der Redaktion zu weiterführenden Informationen:

– mehr über die technologische „Roadmap Industrie 4.0“ in unserem Bonus-Talk mit Rainer Glatz, einem der VDMA-Geschäftsführer, in dem er über die unterschiedliche Näherung an die zukünftige, digitalisierte Welt von Produktion und Diensten in Deutschland und den USA spricht, die mit den Schlagworten Industrie 4.0 sowie Smart Factory und Internet of Things umschrieben wird – hier

– zu unserem Bonus-Talk „Industrie 4.0: Spannungsfeld Deutschland und China“ mit Rainer Glatz, einem der VDMA-Geschäftsführer – hier

– unser Bonus-Talk „ENIGMA, Big Brother und Big Data“ mit dem Philosophen und Komplexitätsforscher Klaus Mainzer, in dem er scharfe Kritik daran übt, dass Politiker auf die Algorithmisierung der Welt und die dadurch auf uns zukommenden Herausforderungen völlig hilflos reagieren – hier

– zu unserer Reportage “Schöne, neue Fabrikwelt?” – hier

– wie die Digitalisierung der Industrie jetzt auch die Energiebranche erreicht, sehen Sie in unserer Reportage “Intelligente Energie: Anything goes” – hier

Mehr Infos zum Inhalt des Videos:

Franz Josef Radermacher ist Mathematiker und Ökonom, befasst sich mit Künstlicher Intelligenz und seit vielen Jahren mit der Arbeitswelt von morgen. Radermacher ist ein politisch einflussreicher Vordenker neuer Konzepte, die aus seiner Sicht dringend erforderlich werden. Grundsätzlich, so Radermacher, habe der Mensch immer schon in einem Wettbewerb mit der Technologie gestanden. Aber bisher war er immer noch für die Bedienung der automatisiert arbeitenden Hochleistungsmaschinen erforderlich. Doch die Algorithmen der jetzt aufkommenden „intelligenten Maschinen“ rationalisieren auch höherwertige Arbeit weg. Solange die Maschine statt dem Menschen die Wertschöpfung erzeugt, hat die Gesellschaft aus der Sicht von Radermacher kein grundsätzliches Problem, da das Menschenrecht als solches zwar Aspekte wie Menschenwürde, aber nicht das Recht auf Arbeit garantiert. Es entsteht mit der Übernahme der Arbeit durch Maschinen nur ein Problem der Einkommens-Verteilung. Diese Feststellung klingt auf den ersten Blick beruhigend, ist aber implizit doch reichlich revolutionär.

So ist zu befürchten, dass wir uns auf dem Weg in eine Zweiklassen-Gesellschaft befinden: hält heute doch eine kleine Schicht von Eigentümern das gesamte erwirtschaftete Kapital, während der Rest möglicherweise immer mehr in Arbeitslosigkeit mit einem Hartz-Vier-Zustand abdriftet. Das könne in der westlich geprägten Demokratie nicht erwünscht sein, so Radermacher. Dafür müsste allerdings die Einkommensverteilung gänzlich neu organisiert werden. Mit der Idee solcher Umverteilungskonzepte entfällt die heute weltweit gültige Maxime der Industrie-Gesellschaft, dass Arbeitsleistung Wohlstand definiert. Der Schnitt ist radikal, und es ist schwer vorstellbar, dass ihn Politiker tatsächlich wagen. Denn gerade die dabei betroffene kleine Bevölkerungsschicht der Eigentümer hat auf die politische Kaste der westlichen Welt großen Einfluss. In unserer Reportage berichtet Radermacher jedoch darüber, dass in der OECD schon heute über die Neuverteilung des Kapitals ernsthaft diskutiert und nach Lösungen gesucht wird. Allerdings äußert Radermacher auch, dass die politische Krise noch nicht groß genug ist, um Politiker zu raschem Handeln zu aktivieren.

In unserer Reportage geben wir auch Einblicke in die Perspektiven der industriellen Revolution aus technologischer Sicht. Deutschland bezeichnet diese vierte technologische Revolution als Industrie 4.0. Rainer Glatz, Geschäftsführer im VDMA, spricht mit Susanne Päch über die unterschiedlichen Sichtweisen der amerikanischen und der deutschen Wirtschaft auf die industriellen Zukunftsperspektiven und die heute noch weitgehend unbeantworteten Fragen, wie die Wirtschaft im Zeitalter der intelligenten Maschinen, von Big Data und dem „Internet von allem“ organisiert sein wird. Sicher ist jedoch, dass die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung und Herstellung von Waren bis zum Ende des Lebenszyklus eines Produktes verschmilzt. Rainer Glatz spricht den amerikanischen Firmen bestes Marketing zu, glaubt jedoch, dass die deutsche Industrie bei der ingenieursseitigen „Systemdurchdringung“ der Thematik weiter fortgeschritten ist. Die Unternehmen bringen sich für das Wettrennen um die Zukunft des künftigen Marktes schon in Position.

Erstsendung: Juli 2015

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